Demonstration nach rassistischem Übergriff

Wenn Rassisten zuschlagen, sorge dafür, dass sie es nie wieder tun!

8. Januar, U-Bhf. Eberswalder Straße, Prenzlauer Berg: Der 23. jährige Hamid-Tahar A. wird von drei jungen Männern erst rassistisch beleidigt und wenig später brutal von ihnen zusammengeschlagen. Sie brechen Hamid das Nasenbein und fügen ihm einen gefährlichen Halswirbelriss zu – eine Vorstufe zum Genickbruch, wie später Ärzte bestätigen. Ein Mordversuch mitten im „Szene-Kiez“ !

“ …geh nach Haus, dorthin, wo du hergekommen bist. „

Am Sonntagmorgen ereignete sich zwischen 5 und 6 uhr folgende Situation: Hamid spricht eine Frau an und lädt sie auf einen Kaffee ein. Drei Junge Männer, die sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls an der Eberswalder Straße Ecke Schönhauser Allee befinden, bekommen das Gespräch aus der Ferne mit und kommentieren es mit rassistischen Parolen. „Lass unsere Frauen in Ruhe, Ausländer geh nach Haus, dorthin, wo du hergekommen bist“ rufen sie Hamid entgegen. Dieser ließ sich die Provokation nicht gefallen und versuchte gegen die Rassisten vorzugehen. Daraufhin wurde er von einem der Drei niedergeschlagen und so heftig gegen den Kopf getreten, dass er mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Derzeit liegt er auf der Intensivstation – sein Zustand ist laut Ärzteaussagen immer noch kritisch. So darf Hamid den Kopf nicht bewegen, da jede Erschütterung lebensgefährlich sein könnte. Eine noch für Montag geplante Operation wurde vorerst verschoben.

Prenzlauer Berg: Lebensgefühl, Feierkiez, Angstraum

Hamids Angreifer konnten so handeln, weil ihnen der Raum dafür gegeben wurde, sowohl gesellschaftlich – 50 Prozent der Deutschen finden Deutschland sei in gefährlichem Maße „überfremdet“ – als auch physisch. Rassisten und Neonazis können sich, im Gegensatz zu früher, vollkommen ungestört in Prenzlauer Berg bewegen. Während Thilo Sarrazin samt seinem rechten Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“, von der Kreuzberger Bevölkerung Kiezverbot erteilt bekam, war das Buch im Prenzlauer Berg vielerorts problemlos erhältlich. Sei es bei Thalia in der Schönhauer Allee oder im Edeka-Supermarkt am Helmholtzplatz. So entpuppt sich die Etikettierung des Prenzlauer Bergs als „Multikulti-Kiez“ einmal mehr als touristischer Marketing-Mythos. Wenn rechte Machwerke wie „Deutschland schafft sich ab“ hierzulande Bestsellerstatus erzielen, verrät das nicht nur viel darüber wo die deutsche Gesellschaft steht, sondern bestärkt auch diejenigen in ihrem Handeln, die sich als legitime Vollstrecker einer rechtsgerichteten Gesamtinteresses verstehen. Mit möglicherweise tödlichen Folgen für ihre Opfer. Verkehrs- und Publikumsknotenpunkte wie der S-Bahnhof Schönhauser Allee und der „Feierkiez“ rund um den u-Bahnhof Eberswalder Straße waren in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz von Übergriffen. So wurde z.B. Anfang Dezember ein homosexuelles Paar vor einem Supermarkt am S-Bahnhof Schönhauser Allee von einer Gruppe Jugendlicher bespuckt und geschlagen.

Die Betroffenen nicht allein lassen

Hamid hat sich nicht wie ein Opfer verhalten. Er hat die rassistischen Beleidigungen nicht hingenommen und versucht sich dagegen zu wehren, obwohl er in der Unterzahl war. Er hat das getan, was vielen Menschen oft fehlt – er hat Courage gezeigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihm dasselbe widerfahren wäre, wenn er sich passiv verhalten oder die Frau nicht angesprochen hätte ist hoch. Zu groß ist der Hass vieler Deutscher vor allem auf das, was sie nicht kennen wollen, das als kulturell „anders“ definierte. Wenn die „Angst-Deutschen“ wieder um „ihre Frauen, ihre Jobs und die Radkappen ihrer Autos“ fürchtet, die ihnen „die Ausländer“ wegzunehmen drohen, bekommt mensch das Gefühl, seit den 1990er Jahren habe sich bei manchen Leuten rein gar nichts geändert. Wir jedoch wollen, dass die Zustände sich ändern. Niemand soll Furcht haben müssen aus rassistischen Motiven ausgegrenzt, zusammengeschlagen oder gar ermordet zu werden. Genau darum ist es wichtig einzugreifen und den Betroffenen rechter Gewalt beizustehen.

Hamid-Tahar A. lebt erst seit sechs Monaten in diesem Land – in einem Asylbewerberheim. Wir denken, dass er in seiner prekären Situation jede Hilfe, z.B. finanzielle unterstützung bei der Bezahlung von Arztkosten und ähnlichem, gut gebrauchen kann. Solidarität muss praktisch sein. Spendet für Hamid und lasst uns am 13. Januar zusammen auf die Straße gehen und zeigen, dass uns Rassismus- in welcher Form auch immer, alle etwas angeht!

Wenn Rassisten zuschlagen, sorge dafür, dass sie es nie wieder tun!
Eingreifen statt wegschauen! – Für eine starke Linke!


Spendenkonto:
Berliner VVN-BdA e.V.
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BLZ: 100 100 10
Konto: 315 904 105
Betreff: Hamid

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